Ich bitte hiermit um die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer und berufe mich auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:
Niemand darf
gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.
Das Nähere regelt ein Bundesgesetz. (GG Art. 4, Absatz 3)
Ich ersehe es als zwingend notwendig an, dass ein Wehrdienstleistender im Falle eines Kriegs bereit ist Gegner zu töten. Diese Bereitschaft lässt sich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, da ich das Töten von Menschen, das ja schon in der Bibel verboten wird, in jedem Fall als schweres nicht entschuldbares Verbrechen ansehe.
Thomas Hobbes schrieb „Das Gewissen eines jeden Bürgers ist sein Gesetz.“ Darf man dann gegen sein Gewissen, das als moralische Instanz meine Vorstellung von Gut und Böse beinhaltet, handeln? Ich bin der festen Überzeugung, dass man es nicht darf und man mit einem so eklatanten Verstoß, wie das Töten von Menschen für mich darstellt, nicht mehr glücklich leben kann.
Meine Eltern haben mich den Respekt vor menschlichem Leben und Toleranz gegenüber Andersdenkenden gelehrt. Wie kann ich da gegen Menschen, die ich nichteinmal kenne, kämpfen? Nur weil zu den „Feinden“ gehören, soll ich nicht nur ihren Tod, sondern auch die Zerstörung ihrer Familien verantworten und so Leid über viele Menschen bringen, die mir nie etwas getan haben und gegen die ich auch keinerlei Groll hege?
Ich habe in meinem bisherigen Leben immer die Erfahrung gemacht, das sich Konflikte gewaltfrei lösen lassen. Zudem zweifle ich generell daran, ob sich Konflikte überhaupt mit Gewalt lösen lassen. Diese Zweifel werden durch die Situation in Afghanistan oder dem Irak genährt. Schließlich kommt es in beiden Ländern weiterhin zu Toten. Auch der aktuelle Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah zeigt in meinen Augen die Wirkungslosigkeit des Versuchs Frieden mit militärischen Mitteln zu erzwingen.
Schließlich muß ich noch meine Angst davor ausdrücken, was passieren könnte, wenn ich meine gesamte Überzeugung verraten und doch kämpfen und Menschen töten würde. Wie man zum Beispiel an den Wärtern der KZs im zweiten Weltkrieg sehen kann, passiert es, dass Menschen, die ohne die Kriegserfahrungen sich nicht von anderen unterscheiden würden, in bestimmten Situationen zu Monstern werden. Ich will nicht wissen, wie ich in so einer Situation handeln würde.
Wie kann ich es nun mit dieser Einstellung verbinden, Wehrdienst zu leisten? Ich sehe keine Möglichkeit dazu und möchte daher das Gesetz über die Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe aus Gewissensgründen zitieren:
Anerkannte Kriegsdienstverweigerer haben statt des Wehrdienstes Zivildienst außerhalb der Bundeswehr als Ersatzdienst nach Artikel 12a Abs. 2 des Grundgesetzes zu leisten. (KDVG §1, Absatz 2)
Ein Ersatzdienst, in dem ich den Menschen nütze und ihnen nicht schade, entspricht meiner Weltanschauung wesentlich besser und daher bin ich bereit ihn abzuleisten.